• Nadia

Die unpersönliche Sicht

Es gibt eine Sicht, die keine Persönlichkeit besitzt. Sie ist begleitet von Klarheit, dem reinen Sehen aller Dinge, von Liebe, tiefem Mitgefühl und Verbundenheit.

Diese Sicht ist das stille Sehen, das reine Sehen, das Wahrnehmen ohne Wahrnehmenden.

Es ist das Sein.

Der Ursprung dem alles zugrunde liegt.

Diese Sicht ist das grosse Bewusstsein. Es ist die Reinheit, die Klarheit und die Ganzheit selbst.

Diese Sicht sieht sich selbst. Als die Stille selbst und alle Erscheinungen darin. All das beinhaltet dieses grosse Bewusstsein.

Es ist es.

Es ist.

Das grosse Bewusstsein kann sich durch Gnade dem Menschen zeigen, dies in unterschiedlichen Formen.

Der Mensch glaubt erwacht zu sein - und in der Tat, das ist er auch. Er hat einen Einblick in das Grosse, jenseits aller Erscheinungen erhalten.

Doch nun beginnt der eigentliche Weg.

Zu Beginn meint der Mensch, das ihm etwas «Spezielles» wiederfahren ist. Er greift immer wieder nach diesem grossen Bewusstsein und möchte es zu «seinem» machen.

Doch das grosse Bewusstsein lässt sich (zum Glück) nicht zu irgendetwas machen. Es ist weder greifbar noch kann jemand erreichen es zu sein. Es ist unpersönlich. Durch das «nicht greifen können» geschieht Enttäuschung, dort wo Enttäuschung geschieht, geschieht Erwachen. Erwachen zum «wahren» Bewusstsein, ohne dass der Jemand es willentlich erreichen könnte.

Dieser «geglaubte» Jemand ist der Trug. Es ist die Verirrung. Dieser Jemand lebt im Mangel und aus diesem Mangel heraus möchte er das Grosse, Heile zu seinem machen und grenzt den Mangel somit aus.

Doch das Grosse schliesst nichts aus. Es beinhaltet alles und verbindet alles.

Das Grosse lässt sich nicht zu etwas machen.

Es ist.

Allgegenwärtig.

In allem was ist.

Der Mensch, der erkannt hat, was er im «Ursprung» ist, wird nun noch mehr Demut lernen. Demut gegenüber dem Grossen, indem er erkennt, dass er nichts zu bestimmen hat, indem er erkennt, dass alles Wollen und Greifen aussichtslos ist.

Dieser Jemand kann das Grosse nicht sein.

Das Grosse ist.

Besitzt der Mensch über reichlich Bewusstsein und Demut, so verneigt er sich und gesteht sich selbst ein, dass er selbst der geglaubte Mangel ist. Dieser Mangel wiederum kann durch nichts «gefüllt» werden.

Fülle ist jenseits dieser geglaubten Person, dieses Jemand.

Der Mensch überlässt die Führung dem Grossen und ist bereit, zu lernen, immer mehr zu erkennen, immer bewusster zu werden.

Nicht im Sinne dass er Grösser wird, sondern im Sinne dass dieser Jemand durch mehr Bewusstsein kleiner wird.

Das Wollen und Nichtwollen dieser Person tritt in den Hintergrund.

Stattdessen gibt er sich dem Leben, dem Grossen hin und lässt sich zeigen und durch das Leben «leeren».


Geschrieben im Jahr 2019

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©2019 by Nadia Dorado

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