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  • AutorenbildNadia

Persönliche LEBENSGESCHICHTEN




Wir alle tragen unterschiedlichste Geschichten und Erfahrungen in uns. Erfahrungen die uns beeinflussen – egal, ob positiv oder negativ, ob in diesem oder in anderen Leben – sie alle prägen uns auf unterschiedlichste Weise.


Erfahrungen bilden die Grundlage einer bestimmten Identität und der daran gekoppelten Geschichte – es ist ein normaler, alltäglicher Prozess. Ein Vorgang, der in Regel völlig unbewusst abläuft.


So werden wir in diese Welt geboren, wissen offensichtlich nichts über uns (was oder wer sind wir zu diesem Zeitpunkt?), bis wir zuerst lernen, dass wir ein Körper sind (was der erste Bezugspunkt bildet, namens «ich»). Dieser Körper bewegt sich durch Raum und Zeit und sammelt in seiner Lebenszeit viele Eindrücke, Abdrücke, Erfahrungen, welche in Bezug zu unserer Existenz stehen und woran wir unser Sein binden.


Ich bin diese oder jener der XY erlebt hat, XY ist, XY mag oder nicht mag etc…


Was passiert, ist, dass wir «unsere» Existenz über Geschichten definieren. Denn wer oder was wären wir ohne diese Geschichten? Unvorstellbar, nicht…?


Erfahrungen bildet in der Regel die Grundlage der Selbstidentität. Eine Selbstidentität ist eine Ansammlung von Erfahrungen, Gedanken, Schlussfolgerungen kurz – ein kreiertes Bild über mich selbst.


Diese Erfahrungen sitzen kollektiv im grossen Unterbewusstsein, auf feinstofflicher Ebene und bilden die Grundlage dessen, wie wir uns selbst und die Welt erfahren, wie wir reagieren und agieren. Und alles was ist, beeinflusst sich gegenseitig.


Doch ist das alles?


Wir alle laufen mit unterschiedlichsten Geschichten, Erfahrungen und Identitäten durchs Leben. Das Unterbewusstsein ist unvorstellbar gross und nicht wirklich greifbar…


Man schaue in die Welt…


Was passiert, ist eine Trennung zwischen mir und dem «Aussen». Ich und meine Erfahrungen, die mir zugestossen sind, durch Aussen…

Das ist meist die gewohnte und erlebte Wirklichkeit.


Dabei geschieht eine Spaltung, indem der Erfahrende und das was Erfahren wird eine Geschichte mit der daran hängenden Identität bildet.  Diese Identität nennen wir in der Regel «ich».


Das «ich» ist ein unharmonisches Gedankenkonstrukt, basierend auf unbewussten «Geschichten». Und mit dieser Aussage möchte ich keineswegs Erfahrungen verharmlosen… Ganz im Gegenteil – sie sind Bestandteil des Lebens und nicht immer nur schön…


Doch wie sollen wir mit diesen Erfahrungen umgehen?


Disharmonien werden früher oder später wieder in Harmonie (Ausgleich) geführt. Darum müssen wir uns nicht einmal aktiv bemühen, denn das Leben selbst wird uns früher oder später genau solche Situationen präsentieren und uns die Chance bieten, unsere eigenen Geschichten genauer zu betrachten und zu fühlen.


Doch in der Regel bleibt unsere Aufmerksamkeit an der Oberfläche, im Aussen, in den Bildern, in den oberflächlichen Gedanken… und so verstricken wir uns immer und immer wieder in den Geschichten, finden keinen Ausweg oder – was häufig passiert – wir versuchen krampfhaft «unsere Realität» zu kontrollieren, das Aussen zu kontrollieren oder zu verbessern.


Über unendliche Zeiten wurden und werden auf diese Weise Geschichten immer und immer wiederholt…


Bis ich vielleicht irgendwann bereit bin, tiefer zu blicken, tiefer in mich selbst zu blicken. Die Tiefe in mir kann endlos sein – ist endlos. Wenn ich mich einmal von der horizontalen in die vertikale Ebene bewege. Das heisst, dass ich meine Aufmerksamkeit nicht mehr auf die Geschichte richte, sondern darauf, was sie in mir auslöst und was sich darunter befindet… In der Regel meiden wir diese Tiefe, weil sie unbekannt und nicht fassbar ist.


Doch diese Tiefe führt in eine tiefere Wirklichkeit, welche, wie gesagt, irgendwann nicht mehr greifbar ist.


Und so werde ich dir eine meiner «Geschichten» erzählen, als Hinweis, was ich damit meine…

 

Vor einigen Wochen fragte mich mein Sohn…»Mama, was wäre wenn ich sterben würde? Was wäre dann mit dir?» Im ersten Moment überraschte mich diese Frage… und ich sagte «was soll dann sein? Ich würde wohl unendlich traurig sein…» Damit hat sich das Thema für einen Moment verabschiedet bis einige Wochen später mein Telefon klingelte, mein Sohn rief mich an…


Doch da war nicht mein Sohn am Telefon, eine Dame vom Universitätsspital war am Telefon und informierte mich, dass mein Sohn einen schweren Snowboardunfall hatte. Er stürzte 8-10 Meter über einen Felsen in die Tiefe und sei bewusstlos.


Ich fühlte meinen Körper, mein ganzes Wesen, wie es sich blitzartig zusammenzog. Eine Welle der Angst und Panik breitete sich in mir aus.


So fuhr ich so schnell ich konnte ins Spital und musste einige Zeit warten, bis ich endlich zu meinem Sohn konnte. Es war eine gefühlte Ewigkeit. Überforderung, Hilflosigkeit, Angst und Traurigkeit machten sich immer mehr breit in mir.


Dann endlich konnte ich zu ihm – er lag noch im Schockraum, bewusstlos und am Beatmungsgerät.


Mir wurde wieder bewusst, wie schnell sich im Leben alles verändern kann, wie nah und plötzlich der Tod sein kann. Wie ein Ereignis die gewohnte Welt plötzlich unwiderruflich zerstören kann…


Ich berührte meinen Sohn und Tränen liefen über mein Gesicht. Seine mir vor Wochen gestellte Frage erschien in meinem Geiste und ich flüsterte leise: das passiert, mein Sohn – es fühlt sich an, als wenn ich selbst sterben würde.


Ein tiefer, tiefer emotionaler Schmerz, ein Stich war in meinem Herzen spürbar. Doch dieses Mal, durch viele Erkenntnisse und Einblicke im Leben, war ich bereit, diesem Schmerz in mir vollständig, offen und bewusst zu begegnen.


Unter/ in diesem überwältigenden Schmerz, war so eine unendliche, tiefe Liebe zu meinem Sohn fühlbar und es fühlte sich an, dass wenn er nicht mehr ist, auch die Liebe nicht mehr in mir sein wird, der Bezugspunkt von mir (ich) zu meinem Sohn (Aussen) wurde deutlich fühlbar. Eine dunkle, unendliche Leere tat sich in mir auf und die Frage tauchte auf – wer oder was bin ich noch, wenn er nicht mehr da ist? Ich spürte in mir die Bereitschaft, mich auch dieser Leere voll und ganz hinzugeben.


Die Leere ist das, welche eigentlich immer unter jedem Ereignis auf uns wartet (was sie auch hinter den vermeintlich «Schönen Dingen» tut). Wenn wir bereit sind uns für uns selbst zu öffnen und tiefer zu gehen, die Aufmerksamkeit vom «Aussen» lösen und tief in uns blicken, öffnet sie ihre Tore.


In der Regel versucht der Mensch alles, um dieser Leere nicht zu begegnen. Leere beginnt da, wo das Gefühl für sich selbst endet. Es ist ein gefühltes «Fallen» in unsere tieferliegende, nicht fassbare, spirituelles (geistige) Natur.


Tage vergingen und das Ganze hallte tagelang tief, gefühlt bis in alle Zellen, in mich hinein. Mein Sohn machte in dieser Nacht die Augen auf – welch Glück – es fühlte sich an wie eine Neugeburt. Und es geht ihm – es scheint ein Wunder – gut.


Doch das «Fallen» dauert an… Denn in Wirklichkeit ist es ein Fass ohne Boden. Sie zeigt uns die Unbeständigkeit aller existierenden Dinge auf. Das Halten wollen der veränderlichen Dingen, die daran gekoppelte Kontrolle erscheint wie Ironie… Ist es nicht offensichtlich?


Das ganze Ereignis hat mir vor Augen geführt – wie sehr ich mich selbst, unbewusst – über die Liebe und das Dasein meines Sohnes definiere. Dort wo tiefe Liebe ist, wartet in der Regel auch die Angst. Wo die Angst ist, versuchen wir meist unbewusst zu kontrollieren, uns abzuschotten und nicht mehr zu fühlen oder tun Dinge um nicht zu verlieren, um keinen Schmerz zu fühlen. Doch genau in diesem Akt geschieht die Spaltung – von ich und die Geschichte oder ich und das andere…


Doch wonach sich der Mensch wirklich sehnt, ist tiefste Berührbarkeit. Berührbarkeit, die so unendlich in die Tiefe geht, wo sie in etwas «grösserem» aufgeht. Diese Leere,  vor welcher wir uns so fürchten, ist in Wahrheit die tieferliegende Wirklichkeit. Sie ist nicht Leer, so wie wir in der Regel verstehen oder uns vorstellen – sie ist unfassbar. Hier löst sich alles auf - es ist die wahre Natur aller Dinge und die wahre Kraft, die allem innewohnt.


ES IST das unpersönliche BEWUSSTSEIN, welcher jeglicher Form, jeglichem Phänomen vorausgeht. Es ist das wahre Zuhause sämtlicher Formen. ES ist IN und «ausserhalb» jeglicher «Phänomene». Nicht vorstellbar, nicht greifbar – überALL SEIeNd.


So verbinden sich im Menschen zwei Ebenen – die Horizontale, welcher der Zeit und somit der Vergangenheit und der Zukunft unterliegt und die Vertikale Ebene, welche zeitlos, nicht greifbar und überall ist.


Hier gibt es keine Trennung, weil das gewohnte Selbstgefühl nicht mehr existiert – nichts existiert hier – wobei nothing wohl treffender ist – kein Ding, kein Objekt, nichts Greifbares, unvorstellbar.


Dieses BEWUSSTSEIN durchtränkt, nährt, hält mich und alles was ist. Es ist die tieferliegende, nicht definierbare NATUR, die durch mich und alles was ist, strahlt.


Wo ist diese Geschichte passiert? In Wirklichkeit IN MIR.


Die Ängste waren in mir.

Die Ohnmacht war in mir.

Das gefühlte Fallen ist in mir.

Die Traurigkeit war in mir.

Die Bilder waren in mir.

Die Vorstellungen waren in mir.

Die Gedanken waren in mir.

Die Erfahrung geschah in mir.

Alles geschah und geschieht in mir...


Der Glaube, dass es irgend etwas gibt, dass ausserhalb von mir existiert, ist eine Illusion.


Die Frage ist – wer oder was ist das, worin es geschieht?...


BEWUSSTSEIN und es ist GRENZENLOS.


In tiefer LIEBE zu mir SELBST, meinem Sohn.


L(I)EBE(N)

 

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